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MDF-Terpentin-Verfahren

von EU-Innovationszentrum INCITE aufgenommen

Veröffentlich am 26. September 2026
Platten Produktion. Abtransport und Umlage von den hergestellten Platten
Technologie könnte künftig bei der Festlegung der besten verfügbaren Techniken für die europäische Holzwerkstoffindustrie berücksichtigt werden
Baruth/Mark, 21. September 2026. Das von der CLASSEN Gruppe entwickelte MDF-Terpentin-Verfahren hat einen wichtigen Schritt auf europäischer Ebene erreicht: INCITE, das Innovationszentrum der Europäischen Kommission für industriellen Wandel und Emissionen, hat die Technologie geprüft und in seine Datenbank innovativer Industrietechnologien aufgenommen. Damit rückt das in Baruth/Mark entwickelte Verfahren auch bei der Weiterentwicklung europäischer Standards für die Holzwerkstoffindustrie in den Fokus.
INCITE identifiziert und bewertet innovative Technologien, die einen Beitrag zu den Zielen der europäischen Richtlinie über Industrieemissionen (IED) leisten können. Im Mittelpunkt stehen dabei unter anderem die Reduzierung von Schadstoffemissionen, eine effizientere Nutzung von Ressourcen, Dekarbonisierung und Kreislaufführung.


Im Rahmen der Prüfung wurde auch das MDF-Terpentin-Verfahren von CLASSEN hinsichtlich dieser Kriterien bewertet. Das Ergebnis ist insbesondere für die weitere Entwicklung der europäischen Standards für die Holzwerkstoffindustrie relevant: INCITE sieht das Verfahren als Kandidaten, der bei einer künftigen Überarbeitung des europäischen Referenzdokuments über die besten verfügbaren Techniken für die Holzwerkstoffindustrie berücksichtigt werden könnte.

VON DER INNOVATION ZUM MÖGLICHEN BRANCHENSTANDARD

Die sogenannten BVT-Referenzdokumente – auf Englisch BREF – beschreiben, welche Techniken in einer Industrie als besonders geeignet gelten, um Emissionen zu vermeiden oder zu reduzieren. Sie bilden damit eine wichtige Grundlage für die Festlegung von Emissionsanforderungen für Industrieanlagen in Europa.

Das MDF-Terpentin-Verfahren könnte im Zuge einer zukünftigen Überarbeitung zunächst als „Beste verfügbare Technik“ (BVT, englisch BAT) oder als „Aufstrebende Technik“ (Emerging Technique, ET) berücksichtigt werden. Eine solche Einstufung ist noch nicht erfolgt, sondern wäre Teil eines mehrstufigen europäischen Überprüfungsprozesses.

Sollte das Verfahren am Ende dieses Prozesses Eingang in die europäischen BVT-Schlussfolgerungen finden, könnte die in Baruth entwickelte Technologie künftig eine Rolle bei der Weiterentwicklung der technischen Standards für die MDF-Produktion in Europa spielen.

TECHNOLOGIE AUS BARUTH ADRESSIERT
HERAUSFORDERUNG DER MDF-INDUSTRIE

Das von CLASSEN entwickelte Verfahren setzt bei einer besonderen Herausforderung der MDF-Produktion mit Kiefernholz an. Die im Holz enthaltenen Terpene werden während des Herstellungsprozesses freigesetzt und tragen zu den Emissionen flüchtiger organischer Verbindungen (VOC) bei. Herkömmliche Verfahren zur Abluftreinigung können diese Stoffe aufgrund ihrer geringen Wasserlöslichkeit nur begrenzt entfernen.

Die MDF-Terpentin-Technologie setzt deshalb bereits im Produktionsprozess an. Terpene werden aus dem Prozessdampf abgetrennt, bevor sie in die Trocknerabluft gelangen. Am Standort der Fiberboard GmbH in Baruth können die VOC-Emissionen dadurch nach Angaben von CLASSEN auf unter 60 Milligramm pro Kubikmeter Abluft gesenkt werden. Damit liegen sie bei weniger als der Hälfte des derzeit maßgeblichen BAT-AEL-Grenzwerts von 120 Milligramm pro Kubikmeter.

In einem weiteren Schritt soll das abgeschiedene Terpentin künftig als Rohstoff für industrielle Anwendungen genutzt werden. Eine entsprechende Anlage befindet sich derzeit in Baruth im Bau und soll Ende 2026 in Betrieb gehen.

Ausführliche Informationen zur Funktionsweise des MDF-Terpentin-Verfahrens und zur neuen Anlage in Baruth hat CLASSEN bereits in der Pressemeldung „CLASSEN macht aus Emissionen einen Rohstoff: Neue Technologie gewinnt Terpentin aus der MDF-Produktion“ vom 7. September 2026 veröffentlicht.

PERSPEKTIVE FÜR DIE INTERNATIONALE MDF-PRODUKTION

Die Aufnahme durch INCITE ist für CLASSEN deshalb auch ein wichtiger Schritt, um das Verfahren über den eigenen Produktionsstandort hinaus verfügbar zu machen. Insbesondere für MDF-Werke, die Kiefernholz einsetzen und vor vergleichbaren Herausforderungen bei der Reduzierung von VOC-Emissionen stehen, kann die Technologie eine technische und wirtschaftliche Perspektive bieten.

CLASSEN arbeitet derzeit an der weltweiten Vermarktung des Verfahrens. Die Technologie soll auch anderen MDF-Herstellern im Rahmen von Lizenzmodellen zur Verfügung stehen; erste Gespräche dazu laufen bereits.
Ansprechpartner:
Sebastian Wendel
CLASSEN Gruppe
Wendel@classen.de
Weitere technische Informationen zum Verfahren:
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Über die CLASSEN-Gruppe

Als führender deutscher Hersteller von Wand- und Bodenbelägen steht CLASSEN für Technologieführerschaft und langlebige Produktlösungen. Rund 2.000 Mitarbeitende weltweit setzen sich entlang der gesamten Wertschöpfungskette für effiziente Prozesse, verantwortungsbewussten Materialeinsatz und kontinuierliche Verbesserung ein. Mit Fachkompetenz und Engagement fördern sie ressourcenschonende Prozesse, langlebige Produktkonzepte und die Rückführung geeigneter Materialien in den Wertstoffkreislauf. CLASSEN verzichtet bewusst auf den Einsatz von Chlor, PVC und Weichmachern in seinen Wand- und Bodenbelägen. 


Mit zahlreichen Patenten, die der gesamten Branche zur Verfügung stehen, unterstreicht das Unternehmen nicht nur seine eigene Unabhängigkeit, sondern auch den kontinuierlichen Innovationsanspruch. Mit CERAMIN® hat CLASSEN einen Werkstoff entwickelt, der zu großen Teilen aus recyceltem Kunststoff besteht und exzellent recyclingfähig ist. Damit leistet CLASSEN einen beispielgebenden Beitrag zur Kreislaufwirtschaft. Das 1962 von Dr. Hans-Jürgen Hannig gegründete Familienunternehmen wird derzeit von drei Generationen, darunter auch der Gründer selbst, im operativen Management geführt.
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