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CLASSEN entwickelt Technologie

Veröffentlich am 8. September 2026
Neue Anlage am Standort Baruth soll bis zu 1.200 Tonnen pro Jahr gewinnen und gleichzeitig Emissionen reduzieren

Baruth/Mark, 07. September 2026. Am Standort Baruth investiert die CLASSEN Gruppe in eine neue Anlage zur Rückgewinnung von Terpentin aus der MDF-Produktion. Die Anlage befindet sich derzeit im Bau und soll Ende 2026 in Betrieb gehen. Künftig können dort bis zu 1.200 Tonnen Terpene pro Jahr gewonnen und als Rohstoff für industrielle Anwendungen bereitgestellt werden. Gleichzeitig trägt das von CLASSEN entwickelte Verfahren dazu bei, die Terpenemissionen bei der Verarbeitung von Kiefernholz deutlich zu reduzieren.
Kiefernholz enthält von Natur aus ätherische Öle, sogenannte Terpene. Bei der Herstellung von MDF werden diese Stoffe durch Wärme aus dem Holz freigesetzt. Bislang gelangte ein Teil davon mit der Abluft des Trocknungsprozesses in die Atmosphäre.

Terpene sind jedoch nicht nur für den typischen Geruch von Kiefernholz und Harz verantwortlich. Als flüchtige organische Verbindungen (VOC) können sie in der Atmosphäre an chemischen Reaktionen beteiligt sein, bei denen unter anderem bodennahes Ozon entsteht. Ihre Reduzierung stellt die Holzwerkstoffindustrie deshalb vor eine technische Herausforderung.

Mit den seit 2016 geltenden europäischen Emissionsanforderungen, den sogenannten BAT-AEL-Werten, wurden die Vorgaben für Industrieanlagen weiter konkretisiert. BAT-AEL steht für Emissionswerte, die mit den besten verfügbaren Techniken verbunden sind. Insbesondere bei der Verarbeitung von Kiefernholz ist deren Einhaltung anspruchsvoll, da Terpene nur sehr gering wasserlöslich sind und sich deshalb mit konventionellen nassen Abluftwäschen nur begrenzt abscheiden lassen.

Auch CLASSEN hatte zunächst eine Ausnahmegenehmigung beantragt. Parallel dazu begann das Familienunternehmen jedoch frühzeitig mit der Entwicklung einer eigenen technologischen Lösung.

Emissionen direkt im Produktionsprozess reduzieren

Grundlage dafür waren umfangreiche Betriebs- und Emissionsdaten des MDF-Werks in Baruth. Durch deren systematische Auswertung konnte CLASSEN einen Punkt innerhalb des Produktionsprozesses identifizieren, an dem sich die Terpene in einem Dampfstrom stark anreichern.

Das entwickelte Verfahren setzt deshalb nicht erst bei der Abluftreinigung an. Stattdessen wird der mit Terpenen angereicherte Dampf bereits im Hochdruckbereich des MDF-Prozesses gezielt entnommen. Auf diese Weise können die Terpene zu einem großen Teil aus dem weiteren Produktionsprozess ausgeschleust werden.

Seit mehr als drei Jahren wird dieses Verfahren am Standort Baruth eingesetzt. Der entnommene Dampf wird bislang im Kraftwerk energetisch genutzt. Nach Angaben von CLASSEN liegen die relevanten Emissionswerte dadurch mehr als 50 Prozent unter den geltenden Grenzwerten. Aufgrund des erreichten technologischen Reifegrades zog das Unternehmen seinen Antrag auf Ausnahmegenehmigung im Jahr 2024 zurück.

Aus Emissionsminderung wird Rohstoffgewinnung

Mit der neuen Anlage geht CLASSEN nun einen Schritt weiter. Statt den terpenhaltigen Dampf ausschließlich energetisch zu nutzen, wird dieser künftig kondensiert. Anschließend lässt sich das enthaltene Terpentin – ein Gemisch verschiedener natürlicher Terpene aus dem Kiefernholz – abtrennen.

Die Prozessführung ist darauf ausgelegt, Verunreinigungen möglichst gering zu halten und so einen industriell nutzbaren Rohstoff zu gewinnen. Gleichzeitig wird die im Dampf enthaltene Wärme in den Produktionsprozess zurückgeführt.

Bei voller Auslastung sollen in Baruth jährlich bis zu 1.200 Tonnen Terpene gewonnen werden. Für diese bestehen verschiedene industrielle Einsatzmöglichkeiten. Terpene können beispielsweise als Ausgangsstoff für Duft- und Aromastoffe, Kampfer oder Menthol sowie für Additive in der Reifenindustrie eingesetzt werden. Darüber hinaus werden sie als mögliche biogene Ausgangsstoffe für die Herstellung von Sustainable Aviation Fuel (SAF) untersucht beziehungsweise genutzt.

Damit verbindet das Verfahren zwei bislang getrennte Aufgaben: die Reduzierung von Emissionen aus der MDF-Produktion und die Gewinnung eines Rohstoffs aus einem Stoffstrom, der bisher nicht stofflich genutzt wurde.

Potenzial über den Standort Baruth hinaus

CLASSEN sieht in der Technologie insbesondere für MDF-Werke mit hohem Kiefernholzanteil Potenzial. Denn die Herausforderung durch Terpenemissionen betrifft nicht allein den Standort Baruth, sondern zahlreiche Produktionsanlagen der internationalen Holzwerkstoffindustrie.

Neben der Emissionsminderung kann die Rückgewinnung auch wirtschaftlich interessant sein: Das abgeschiedene Terpentin lässt sich als Rohstoff vermarkten. Nach Berechnungen von CLASSEN kann sich die dafür erforderliche Anlagentechnik – abhängig von der eingesetzten Kiefernart, der Zusammensetzung des gewonnenen Terpentins und den jeweiligen Rahmenbedingungen des Produktionsstandorts – innerhalb von etwa zwei bis drei Jahren amortisieren.

CLASSEN arbeitet daher bereits an der internationalen Vermarktung und Lizenzierung der entwickelten MDF-T-Technologie. Erste Gespräche über einen Einsatz des Verfahrens laufen bereits.

Mit der Inbetriebnahme der neuen Anlage Ende 2026 soll Baruth damit nicht nur zum Produktionsstandort für einen zusätzlichen Rohstoff werden. CLASSEN will zugleich zeigen, wie sich Emissionsminderung und Rohstoffgewinnung innerhalb bestehender industrieller Prozesse miteinander verbinden lassen.

Passendes Bildmaterial können Sie hier herunterladen:

Ansprechpartner:
Sebastian Wendel
CLASSEN Gruppe
Wendel@classen.de

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Über die CLASSEN-Gruppe

Als führender deutscher Hersteller von Wand- und Bodenbelägen steht CLASSEN für Technologieführerschaft und langlebige Produktlösungen. Rund 2.000 Mitarbeitende weltweit setzen sich entlang der gesamten Wertschöpfungskette für effiziente Prozesse, verantwortungsbewussten Materialeinsatz und kontinuierliche Verbesserung ein. Mit Fachkompetenz und Engagement fördern sie ressourcenschonende Prozesse, langlebige Produktkonzepte und die Rückführung geeigneter Materialien in den Wertstoffkreislauf. CLASSEN verzichtet bewusst auf den Einsatz von Chlor, PVC und Weichmachern in seinen Wand- und Bodenbelägen. 


Mit zahlreichen Patenten, die der gesamten Branche zur Verfügung stehen, unterstreicht das Unternehmen nicht nur seine eigene Unabhängigkeit, sondern auch den kontinuierlichen Innovationsanspruch. Mit CERAMIN® hat CLASSEN einen Werkstoff entwickelt, der zu großen Teilen aus recyceltem Kunststoff besteht und exzellent recyclingfähig ist. Damit leistet CLASSEN einen beispielgebenden Beitrag zur Kreislaufwirtschaft. Das 1962 von Dr. Hans-Jürgen Hannig gegründete Familienunternehmen wird derzeit von drei Generationen, darunter auch der Gründer selbst, im operativen Management geführt.
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